Mittwoch, 20. Juli 2011

In der Welt der Träume.

 Hier lag sie, unbekümmert und schwerelos im hohen Gras, zumindest schien es so von außen. Die Sonne blendete selbst ihre geschlossenen Augen noch, sie hörte wie der Wind durch das Gras fuhr, wie die Blätter raschelten. Die Sonne erwärmte ihre kalte, blasse und vernarbte Haut, wenigstens von außen, denn innerlich war sie eiskalt. Jedesmal wenn sie die Augen schloss und versuchte zu Träumen, sich an etwas schönes in ihrem Leben zu Erinnern, zum Beispiel als ihre Mutter noch bei ihr war, als sie sie und ihren Dad noch nicht einfach im Stich gelassen hatte, oder wenn sie sich an die zahlreichen Geburtstage mit ihren Grundschulfreundinnen erinnerte, wie sehr sich ihr Vater immer bemühte hatte, auch mit wenig Geld ihr eine Freude zu bereiten und wie gut ihm das immer gelungen war - immer wenn sie ihre Augen schloss und sich an diese Momente versuchte zu erinnern durchfuhr sie ein kalter Schauer, wie ein zuckender elektrischer Blitz, so als wenn ihr irgendjemand einen kalten Elektroschock verpasste. Danach wurde immer alles schwarz, sie öffnete die Augen und versuchte sich zu erinnern wo sie war, versuchte zu erkennen wo sie sich gerade befand. Sie blinzelte, ihre Augen war trüb, tränenerfüllt und sie musste schlucken um wieder Luft holen zu können. Wie einfach sie die Tränen runter schlucken konnte, warum konnte nicht alles so leicht runter zu schlucken sein?
Sie setzte sich auf. Nun saß sie da, im Schneidersitz auf diesem leeren, von der Außenwelt scheinbar abgeschnittenen Feld. In der Ferne sah sie ein paar Radfahrer entlang fahren, doch sie bemerkten das Mädchen nicht. Sie saß hier, bei fast 30° in langärmligen Sweatshirt, Schal, langer Röhrenjeans und Chucks. Obwohl sie die Jeans grade erst gekauft hatte, war sie an ihren dünnen Beinen viel zu weit, ihre vernarbten Arme wurden zusätzlich noch von einer Strickjacke bedeckt. Das Shirt ging ihr bis zu den herausstehenden Schulterknochen, darüber ein dicker grauer Schal mehrmals um den Hals gewickelt. Ihre langen schwarzen Haare wehten ihr ins Gesicht, vor ihre verweinten Augen, ihre zitternden Lippen und ihre hervorstehenden Wangenknochen. Sie dachte an die Ewigkeit, daran wie sich die Zeit an manchen Tagen scheinbar verlangsamte, in manchen Momenten zu rasen schien, sie dachte daran warum manche Erinnerungen fortwährend verblassten, während andere sich im Gedächtnis zu verankern schienen und sie bis an ihr Lebensende verfolgen würden. Sie saß lange so da, dachte daran was das Leben für einen bereit hielt, wie das Leben für jeden einzelnen auf dieser Welt vorgesehen war. Es dämmerte schon, sie hatte völlig die Zeit vergessen, was ihr öfters passierte wenn sie ihren Gedanken nach hing. Sie rappelte sich auf, klopfte sich das Gras von ihrer Jeans, bemerkte dass sie trotz der wärmeden Sonne und den dicken, wintertypischen Klamotten frohr. Dann ging sie der dämmernden Sonne entgegen, zurück zu dem Haus was früher mal "ihr Zuhause" gewesen war, dorthin zurück wo ihr Vater womöglich schon auf sie wartete.

misery signals - worlds and dreams

Montag, 11. Juli 2011

Tiefer Atemzug, erschrockene Augen, einatmen, ausatmen, immer wieder der gleiche Trott - Tag für Tag, Jahr ein - Jahr aus. Augen auf, letztes Atemzug, Kopfhörer in die Ohren - Musik an, Blut erwärmt sich, Adern pulsieren, pochender Herzschlag - Musik belebt sie. Nur noch ein einziges mal, ein letztes mal, ein mal nochmal alles zurück drehen, sich selbst verstehen, sich selbst zu hören. Doch niemand hört sie, denn in ihrem Kopf, in ihrem Leben, in ihren  Gedanken herscht ein stiller Sturm, ein Eissturm ohne Entkommen. [ Panik - Niemand hört dich ]  http://www.youtube.com/watch?v=lr1mX-j27Xg