Montag, 20. Juni 2011

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Ihr Vater schlief noch, sie hörte das laute, immer wieder fast erstickende Schnarchen sogar hier oben in ihrem Zimmer auf dem Dachboden. Mit jedem neuen Laut den er von sich gab zuckte sie zusammen, kamen neue schmerzhafte Erinnerungen hoch. Erinnerungen, Vorstellungen, Gedanken daran wie er sich angehört hat, wie ihr ins Ohr gekeucht hat, wie ihr Bett geknarrt und er schweißgebadet, mit einem erfolgreichen und zufriedenen Lächeln über ihr auf den Händen abgestützt, gelegen hatte. Seine Haut auf ihrer, seine raue und vom Leben gealterte Haut auf ihrer reinen, blutjungen, mittlerweile narbenübersehten, zarten blassen Haut. Ihr  fuhr ein kalter Schauer den Rücken hinunter, ihre Hände verkrampften sich, sie biss sich auf die Unterlippe und schloss die Augen. Sie kniff die Augen noch stärker zusammen, klammerte sich mit ihren Händen am Bettlaken fest, ihre Unterlippe bebte -  da klopfte er an ihre Tür. Sie muss eine Ewigkeit so da gesessen haben, denn ihr Vater war wach und stand nun oben vor ihrer Zimmertür. Das Klopfen riss sie aus ihrer Starre, wieder stieg Angst in ihr hoch, ihr ganzer Körper zitterte und erschauderte, vor der Ungewissheit was er von ihr wollte und der Angst zu wissen, dass es das sein könnte, was ihr Leben so verändert hat, was sie so kaputt gemacht hat. Das wovon sie nächtelang Albträume hatte, was so unvorstellbar für Außenstehende war. Doch sie musste es am eigenen Leib erfahren, sie wusste wie es sich anfühlt, wie schmutzig man sich danach fühlte, dass man danach nie wieder so leben konnte wie vorher, dass es immer ein Teil seines Lebens sein würde. Mit zittriger Stimme hauchte sie ein "Ja?" in Richtung Tür. Ihr Vater öffnete sie langsam und vorsichtig, streckte seinen Kopf mit den noch wenig vorhandenen hellblonden Locken hindurch, lächelte sie an, nicht nur mit seinen schönen weißen Zähnen, sondern auch aus seinen strahlend blauen Augen und flüsterte ein zärtliches "Frühstück ist fertig" in ihre Richtung. Sie bemühte sich etwas lockerer und fröhlicher zu wirken. Sie setze eines ihrer gelungensten falschen Lächeln auf und nickte, sodass er wusste, dass sie mit ihm nach unten gehen würde, dass sie ihm wiedermal gehorchen würde, dass sie mit ihm, ihrem Peiniger, ihrem Schänder, ihrem Vater frühstücken würde. So als wenn es ihr gut geht, als wenn nichts gwesen ist, niemals irgendetwas sein wird.
Er warte in der Tür, dass sie sich erheben und mit ihm in die Küche gehen würde, doch sie rührte sich nicht, noch nicht. Er nickte ihr wieder mit seinem strahlenden Lächeln zu, ging aus der Tür und lehnte die Tür an. Bei jedem Schritt den sie von ihm auf der Treppe nach unten hörte, pochte ihr Herz etwas schneller, etwas lauter in ihrer schmerzenden, vor Kälte zitternden Brust. Sie stand auf und ging ins Bad. Sie spritze sich etwas Wasser ins Gesicht und erst jetzt bemerkte sie dass sie immer noch ihr falsches Lächeln aufgesetzt hatte. Es gelang ihr wirklich gut die Leute mit diesem schief verzoegen Mund immer wieder zu täuschen, sie zufrieden zu stellen. Es war ein schönes Lächeln, das wurde ihr schon oft gesagt, nur sah sie es selber nicht so. Für sie hatte Schönheit keine Bedeutung mehr, hatte sie nie wirklich gehabt, denn wer in ihre Augen sah, in ihre schönen großen braunen Augen, der sah die Wahrheit, den Schmerz, das verzweifelte, gebrochene und kaputte Mädchen hinter dem scheinbar so wunderschönen 'ehrlichen' Lächeln. Erst als ihr die Tränen über die Wange liefen schaffte sie es endlich ihr Gesicht zu enspannen. Das Lächeln verschwand, doch sie bemühte sich die eigentlich nicht vorhandene 'Fassung' zu bewahren, denn sie würde sich nun für mindestens eine halbe Stunde zusammen reisen müssen. Noch einmal nahm sie eine Hand voll Wasser und spritze sie sich ins Gesicht. Sie atmete ein paar Mal tief ein und wieder aus. Sie klammerte sich amWaschbeckenrand fest, stütze sich darauf, sah in den Spiegel, sah sich tief in die Augen, schloss die Augen, atmete noch einmal tief ein und verlies das Bad. Mit vorsichtigen und fast 'schwebenden' Schritten kam sie die Treppe hinunter. Ihr Vater saß schon am Frühstückstisch und rauchte seine Morgenzigarette. Dampfender Kaffee stand in zwei Tassen auf dem Tisch, davor doe Müslischüssel. Diverse Cerealienschachteln, Milchpakungen, Obst und Früchte standen auf dem von der Morgensonne hell erleuchteten Tisch. Ihr Vater nippte grade an seinem Kaffee als sie in die Küche kam. Er blickte auf und lächelte. "Lass es dir schmecken mein Liebling" säußelte er in ihre Richtung. Sie lächlte zaghaft zurück. Bei jedem Wort dass er an sie richtete zuckte sie zusammen. "Sieht gut aus" erwiederte sie kurz und knapp. Sie setze sich ihrem Vater gegenüber auf ihren Sitzplatz, füllte sich allerhöchstens 3 Esslöffel Müsli in ihre Schüssel und goss Milch darauf. Nachdem sie mit dem Löffel etwas darin umgerührt hatte, schob sie die Schüssel wieder von sich weg und wendete sich an ihrem Kaffee - schwarz, ohne Zucker und Milch.

Sonntag, 19. Juni 2011

Prolog

Seine Arme umklammerten sie ganz fest, sie spürte seine Nähe, wie warm sein Körper war. Er bließ ihr seinen warmen feuchten Atem in den Nacken während er seine Hand sanft in ihren Haare vergrub und sie noch fester in seine Arme nahm. Er zitterte, seine Umarmung verringerte sich, er nahm sie zaghaft am Arm und lehnte sich vorsichtig ein wenig von ihr weg. Dann sah er in ihre großen braunen Augen, bemühte sich ein ehrliches Lächeln auf zusetzen und flüsterte "Weist du was? Du bist meine kleine Prinzessin und das wirst du auch immer sein. Du bist mein Ein und Alles. Du bist das schönste Geschenk was deine Mama mir gegeben hat, ich werde immer für dich da sein...- er nahm sie noch fester als zuvor in den Arm und nach einer kurzen Pause, einem gesenktem, nachdenklichem Blick flüsterte er ihr zärtlich ins Ohr -.. ich werde nicht zulassen, dass dir irgendwer weh tut, ich werde immer bei dir sein, dir wird nie jemand weh tun, ich werde dein Beschützer sein, ich beschütze dich, ich beschütze dich, ich beschütze dich..!"
Dann wurde plötzlich alles schwarz. Als nächstes sah sie sich in einem dunklen  langen Raum. Ein kleiner Lichtstrahl fiel durch die angelehnte Tür. Sie saß in eine Decke gekauert auf ihrem Bett und starrte auf die Tür. Ein Zeit lang saß sie nur da, starrte auf die Tür und beobachtete den Lichtstrahl, doch dann wurde die Tür aufgestoßen. Sie krachte gegen die Wand dahinter und eine dunkle Gestalt stand unter dem Türrahmen. Die Gestalt war groß und breit, es war ein Mann, ein Mann der bedrohlich auf sie zu kam. Sie konnte nicht erkennen wer es war, denn sein Gesicht war verzerrt, doch ohne das Gesicht und den Ausdruck in diesem zu sehen stieg Angst in ihr hoch, ihre Kehle schnürrte sich zu und es fiel ihr schwer zu atmen. Er kam immer näher, mit schnellen langen Schritten schritt er auf ihr Bett zu, sah sie an, wie sie dort in der Ecke saß, mit flehendem Blick, den Glauben in den Himmel zu Gott gerichtet, darauf hoffend verschont zu werden, verschont vor diesem Schmerz, dieser Scham, dieser Schande.
Ruckartig und schweißgebadet schreckte sie aus ihrem Schlaf auf. Sie krallte sich immernoch mit ihren Fingern in das Bettlaken, ihre Augen waren tränenerfüllt, sie atmete schwer. Zum 3. Mal war sie nun diese Woche schon wegen diesem Albtraum aus dem Schlaf gerissen worden. Immer wieder der selbe Traum, der selbe szenenwechselnde Ablauf und immer wieder schwangen seine Worte nach dem Aufwachen noch in ihrem Gedächtnis nach "..ich beschütze dich, ich beschütze dich.."